Häuser sind gut, Quartiere wären besser

21. Juni 2018 /

In Berlin entstanden in der jüngeren Vergangenheit zahlreiche innovative genossenschaftliche Bauprojekte. Doch das städtebauliche Potenzial der Genossenschaften erschöpft sich nicht im Bau einzelner Häuser. Im Gegenteil: erst bei der Planung von genossenschaftlich geprägten Quartieren können Skalen- und Synergieeffekte erzielt werden.

Die meisten etablierten Berliner Wohnungsbaugenossenschaften wurden vor rund 100 Jahren gegründet. Damals herrschte – genau wie heute – große Wohnungsknappheit in der Stadt. Nun beobachten wir eine zweite Welle von Genossenschaftsgründungen und die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Die jungen Genossenschaften wollen einen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung leisten, indem sie bezahlbaren, anspruchsvollen und sozialverträglichen Wohnraum schaffen. Doch damit dies gelingen kann, sind sie auf die Unterstützung von Verwaltung und Politik angewiesen.

Tatsächlich bekennt sich die Landesregierung von Berlin im Koalitionsvertrag, in Pressemitteilungen, Redebeiträgen und Grußworten zu den Zielen, Prinzipien und Praktiken der jungen Genossenschaften. Immer wieder werden die vielen kleinen genossenschaftlichen Bauprojekte, die überall in der Stadt zu finden sind, gelobt. Leider hat die Koalition den netten Worten bisher jedoch kaum Taten folgen lassen.

Die im Bündnis Junge Genossenschaften organisierten Genossenschaften bieten in Berlin rund 5.000 Wohnungen, Wohnplätze für Studierende, Wohncluster und Raum für betreute Wohnformen an. Auch Nischenformen wie Wagenburgen oder „Kommunen“ finden innerhalb der Genossenschaften Sicherheit. Zahlreiche Projekte illustrieren auf vielfältige Art und Weise den unermüdlichen Einsatz der Genossinnen und Genossen, die Kompetenzen der Projektentwickler und Architekten sowie die Vorteile des genossenschaftlichen Wohnungsbaus.

Doch die Berliner Genossenschaften könnten noch viel mehr zu einer ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen, wenn sie statt einzelner Häuser ganze Quartiere entwickeln dürften.

Dies liegt einerseits daran, dass auch beim Wohnungsbau beträchtliche Skaleneffekte erzielt werden können. Wenn eine Genossenschaft – oder eben ein Bündnis von Genossenschaften – statt 50 plötzlich 500 oder gar 5.000 Wohnungen realisiert, dann sinken zumindest potenziell die Preise für die Planung und den Bau jeder einzelnen Wohnung erheblich. Da die Genossenschaften nicht gewinnorientiert arbeiten, kommen derartige Preissenkungen allen Bewohner*innen gleichermaßen zugute.

Außerdem – und dieser Aspekt ist mindestens genauso wichtig – können durch den Bau von Genossenschaftsquartieren vielfältige Synergieeffekte erzielt werden. Durch die Verknüpfung der Schwerpunkte einzelner Unternehmen kann ein besonders breites Angebot für verschiedene Wohnbedürfnisse geschaffen werden. Neben Wohnraum für alle Haushaltsgrößen und -typen können behindertengerechte Wohnungen, Angebote für betreute Wohnformen sowie Wohnraum für Studierende und Flüchtlinge entstehen. Durch solche Zusammenarbeit wird eine vielseitige Nutzungsmischung durch Einbindung von sozialverträglichem Gewerbe, Künstlerateliers etc. möglich.

Durch die Inklusion von besonderen Bedarfen werden in den jeweiligen Hausgemeinschaften das nachbarschaftliche Miteinander und die Übernahme von gegenseitiger Verantwortung gestärkt. Ein vielfältiges, genossenschaftsübergreifendes Angebot an Gemeinschaftsflächen und sozialen Einrichtungen sowie günstiges Wohnen durch Flächenoptimierungen in den Baukörpern führen zu einer hohen Identifikation und einer dauerhaften Zufriedenheit der Bewohner*innen mit ihrer Wohn- und Lebenssituation im Genossenschaftsquartier.

Über das Wohnangebot hinaus nutzen die Genossenschaften die Synergie der Kooperation für weitere nachbarschaftliche und genossenschaftliche Angebote. Gemeinschaftseinrichtungen, die allen zukünftigen Bewohner*innen des Kooperationsprojekts zur Verfügung stehen werden, können somit kostengünstig errichtet und effektiv genutzt werden. Der gemeinsame Bau von sozialen Einrichtungen wie Kitas oder Seniorentreffs ist möglich.

Es gibt hierfür aktuelle Beispiele in München, Zürich oder Hamburg. Die hiesigen jungen Genossenschaften sind sich sicher: “Wir in Berlin können das auch!”

Dies ist der zweite Beitrag in einer Serie von kurzen Artikeln zu den Kerninhalten des Kooperationsangebots, dass das Bündnis junger Genossenschaften der Landesregierung unterbreitet hat. Der erste Beitrag kann hier gelesen werden. Weitere Beiträge folgen in Kürze.

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